Stolpersteinverlegung

Bewegender Moment gegen das Vergessen

Nachdem im vergangenen Jahr zwölf Stolpersteine im Gedenken an die ermordeten und emigrierten Lauterecker Juden zusammen mit dem Künstler Gunter Demnig in der Innenstadt verlegt wurden, wurde das Werk am 9. Oktober 2015, 14 Uhr, vervollständigt. Recherchen hatten nämlich Informationen zu zwei weiteren Opfern der Nazizeit ergeben:

1. Walter Nesseler wurde am 11.07.1927 als Sohn des Katholiken Luitpold Ludwig Nesseler und der Jüdin Jenny Löb in Lauterecken geboren. Der „Halbjude“ kam im Dezember 1944 nach seiner Rückkehr als Schreiner in Lothringen als Zwangsarbeiter ins Arbeitslager Lenne/Niedersachsen, wo er am 17.01.1945 nach offiziellen Angaben an Diphtherie verstarb.

2. Jan (Johan) Lichowski, geboren am 21.06.1913 in Zaleska Wola im Karpatenvorland, war von 1939 bis 1941 als Kriegsgefangener in Frankenthal interniert. Er kam dann als Zwangsarbeiter nach Einöllen. Sein Verhältnis zu einer deutschen Frau wurde ihm zum Verhängnis. Am 27.02.1942, 11:30 Uhr, wurde der Pole in der Lauterecker Ingenhöll öffentlich durch den Strang hingerichtet. Anschließend wurden 162 Zivilarbeiter an dem Erhängten vorbeigeführt, um es als abschreckendes Beispiel zu demonstrieren.

Die beiden Stolpersteine wurden vom 1. Stadtbeigeordneten Günter Lüers und Apotheker Gerhard Heil gestiftet und vom Bauhof Lauterecken verlegt.Die Veldenzstadt Lauterecken möchte, dass die Steine ein stetiges Mahnmal gegen das begangene Unrecht darstellen.

Zur Verlegung angereist sind Angehörige der Fam. Nesseler, die sich bewegt und dankbar für die Aufarbeitung dieser „unrühmlichen Vergangenheit“ zeigten: die beiden Brüder des Opfers Walter Nesseler, Günter Nesseler aus Neustadt/Weinstraße und Klaus Nesseler aus Pfullingen bei Reutlingen, sowie Günters Sohn Thomas aus München.