Partnerschaft

40 Jahre Partnerschaft zwischen Lauterecken und Sombernon

Der jüngste Verein im Raum Lauterecken ist der Freundeskreis zur Förderung der Partnerschaft zwischen Lauterecken und Sombernon, der vor einigen Monaten durch engagierte Mitbürger ins Leben gerufen wurde. Geleitet wird er durch das Gründungsmitglied Brigitte Kölsch aus Roth und hat zum Zweck, die Freundschaft zwischen den beiden Städten durch gegenseitige Kennenlernaktionen und Besuche zu vertiefen und die Stadt Lauterecken organisatorisch und vielleicht künftig auch finanziell bei offiziellen Partnerschaftstreffen zu unterstützen. Der Verein, mittlerweile Mitglied im „Freundschaftskreis Rheinland-Pfalz/Burgund“, präsentierte sich erstmals sehr erfolgreich auf dem Weihnachtsmarkt in Sombernon mit westpfälzer Spezialitäten.

Im Jahr 2014 jährte sich zum 40. Mal die Gründung der Partnerschaft, auf französisch „jumelage“, zwischen der Veldenzstadt Lauterecken und dem burgundischen Sombernon. Grundlage waren die 1962 besiegelte Partnerschaft zwischen Rheinland-Pfalz und Burgund und die daraus resultierenden Kontakte des Gymnasiums Lauterecken mit dem damaligen Collège in Sombernon im Rahmen des Deutsch-Französischen Jugendwerks sowie des Fanfarenzugs Lauterecken mit dem Sombernoner Musikzug „Lyre des Hurlevents“ ab dem Jahr 1971.

Am 5. Oktober 1974 war es dann soweit. Eine große Delegation aus Lauterecken unter der Führung des damaligen Stadt- und Verbandsgemeindebürgermeisters Willi Fey mit den Beigeordneten Welker und Buhl, Stadträten und Vereinsvorständen, Vertretern des Gymnasiums, Bürgerinnen und Bürgern sowie einer ganzen Busladung Schülerinnen und Schüler des Gymnasiums und nicht zuletzt des gesamten Fanfarenzugs reiste in das burgundische Sombernon, um die Partnerschaftsurkunden zu unterzeichnen und auszutauschen.

Im Folgejahr war dann eine 200köpfige Besuchergruppe aus Sombernon unter der Führung von Bürgermeister Jacques Mercusot in Lauterecken zu Gast und wurde hier in Privatquartieren untergebracht. Es kamen Beigeordnete und Stadträte, Vertreter des Veteranenverbands, des Gewerbevereins, der Jäger und Fischer, des Sportvereins, des Fanfarenzugs, Lehrer und Schüler sowie viele Bürgerinnen und Bürger. Es wurde vereinbart, sich gegenseitig alle zwei Jahre wechselweise in Frankreich und Deutschland zu besuchen. Bei allen Besuchen gab es ein Kulturprogramm mit Besuchen historischer Orte, von Städten und Museen, mit Weinproben, Bootsfahrten und interessanten Führungen. Bei den französischen Gästen erfreute sich eine Bootsfahrt auf dem Rhein stets großer Beliebtheit. Höhepunkt war jeweils die Partnerschaftsveranstaltung am Samstagabend mit Festreden und Gastgeschenkaustausch, aber auch mit viel Musik und Tanz sowie Vorführungen.

Als der Verfasser mit seiner Zukünftigen im Jahr nach der Vertragsunterzeichnung auf dem Weg in den Süden an Dijon vorbei kam, entschloss man sich kurzerhand, einen Abstecher in die neue Partnerstadt zu machen. Nach einigen Kilometern Landstraße und einem steilen Anstieg erreichte man den malerisch auf einen Höhenrücken über dem Tal gelegenen Ort. Um die Mittagszeit war kein Mensch auf der Straße, selbst das einzige Lokal hatte geschlossen. Nach einem kurzen Spaziergang über die staubige Hauptstraße entlang der schönen Sandsteinhäuser wurde unverrichteter Dinge die Weiterfahrt angetreten.

Heute ist Sombernon ein prosperierendes Landstädtchen mit ca. 1000 Einwohnern, Sitz der Kantonalverwaltung mit 28 Gemeinden und ca. 6000 Einwohnern, Stützpunktfeuerwehr, Hotel, mit Schulen und Kindergärten, Ärzten und Apothekern, vielen kleinen Geschäften und Lokalen, großem Super- und Gartenmarkt, lebhaftem Industrie- und Gewerbegebiet, Mehrzweckhalle, Parks und Museen. Die Nähe zu Dijon macht es interessant für Bauwillige, die von hier zu ihrer Arbeitsstelle über die nahe Autobahn in weniger als 30 Minuten pendeln können.

Die Partnerschaft erlebte so einiges in den vergangenen fast vierzig Jahren. In den Anfangsjahren gab es Fußballspiele zwischen Mannschafen des Lauterecker Sportvereins und des Sombernoner Fußballclubs, die Fischer trafen sich zum gemeinsamen Angeln, die Fanfarenzüge spielten gemeinsam auf, Gewerbeschauen wurden gegenseitig besucht. Später waren die Jagdhornbläser aus Sombernon mehrfach zu Gast und die Eisenbahner-Blaskapelle fuhr nach Sombernon mit. Um den Schüleraustausch zwischen dem Lauterecker Gymnasium und dem Collège in Sombernon wurde es nach einigen Jahrzehnten ruhiger, doch das jetzige Veldenz-Gymnasium griff ihn erneut auf und er erfreut sich wieder Zulauf. Großes Aufsehen erregten in den Begegnungen der letzten Jahre die Auftritte Lauterecker Tanzformationen wie der „Hot Girls“, denn dergleichen kennt man so in Frankreich kaum.

Die alle zwei Jahre in das andere Land reisenden Besuchergruppen wurden etwas kleiner, doch bestand nie die Gefahr, dass eine Fahrt ausfallen würde. Für das gegenseitige Kennenlernen besonders wichtig waren und sind die Aufenthalte in den Gastfamilien. Zwar handelt es sich nur um zwei Übernachtungen und ein Sonntagsmittagessen, doch selbst ohne Sprachkenntnisse ist Kommunikation immer möglich und man lernt Gewohnheiten und Gebräuche der anderen Nation kennen. Während wir den französischen Gästen gerne die Teller häufen mit lokalen deftigen Spezialitäten oder gleich Schwenker auf dem Grill machen, wird in französischen Familien das Essen in vielen Gängen von der Vorspeise bis zum Dessert begleitet von unterschiedlichen Weinen geradezu zelebriert.

Die Partnerschaft manifestiert sich zudem in Straßenbenennungen. In Sombernon gibt es eine „rue de Lauterecken“, in Lauterecken eine Sombernonstraße; an beiden liegen bemerkenswerterweise jeweils die weiterführenden Schulen. Ein Beitrag über die Partnerschaft steht auf der offiziellen Homepage von Sombernon sowie in jedem „Bulletin municipal“, der periodisch erscheinenden örtlichen Infobroschüre. Auf der Lauterecker Roseninsel wurde zum 10jährigen Bestehen der Partnerschaft ein Gedenkstein aufgestellt. Die ausgetauschten Gastgeschenke einschließlich einer Stadtfahne von Sombernon werden im Lauterecker Stadthaus ausgestellt. Eine Bürgerin Lautereckens, Hedi Walter, maßgeblich an der Gründung der Partnerschaft beteiligt, hat es gar zur Ehrenbürgerin von Sombernon gebracht. 

Verfasser: Hans-Joachim Müller

 

jum1

jum2

jum3